Arbeiten auf den Spuren des Bergbaus

Vera Konermann
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Stadtwerke-Standort an der Zechenstraße

Dieser Satz meines Kollegen lässt mich aufhorchen: „Da liegt auch noch eine alte Monteurstasche im Kellerschacht.“ Stimmt! Wenn ich ganz nah herangehe an die zerkratzte und etwas blind gewordene Scheibe, dann kann ich durch das Kellerfenster die schwarze Tasche im Lichtschacht erkennen. Von Laub und Spinnweben bedeckt, aber eigentlich sieht sie noch ganz gut aus – nur vergessen eben. Die einsame Tasche im Kellerschacht gehört zu den vielen Dingen, die immer wieder daran erinnern, wo meine Kollegen und ich eigentlich arbeiten: Nämlich auf den Spuren des Bergbaus.

Bergmännisch genau genommen, handelt es sich bei der Werkzeugtasche übrigens um eine „Gezähetasche“. Darin verstaute einst ein Kumpel das „Gezähe“, also das Werkzeug, das er beim Kohleabbau dabei haben musste.

Stadtwerke an der Zechenstraße

Zum Jahresanfang 2019 haben Stadtwerke Tecklenburger Land und die Netzgesellschaft, die SWTE Netz, den Unternehmensstandort an der Zechenstraße 10 in Ibbenbüren bezogen. Im Sommer 2020 hat die SWTE Netz schließlich Gebäude und Grundstücke aus dem RAG-Besitz gekauft, darunter eben auch den Unternehmensstandort an der Zechenstraße 10 sowie die ehemalige RAG-Hauptverwaltung an der Osnabrücker Straße 112 in Ibbenbüren.

Vor Strom und Erdgas war es Kohle

Wo wir heute an einer verlässlichen Versorgung mit Strom und Erdgas, an der Entwicklung der Versorgungsnetze, an der Digitalisierung und öffentlichen Daseinsvorsorge für die Region arbeiten, ging es bis vor Kurzem noch um eine ganz andere Art von Energieträger, eben Steinkohle. Das Schwarze Gold, wie der Rohstoff auch genannt wurde, findet sich zum Beispiel auch im Sprachgebrauch.

Bergmännische Welt im Blick

Wie der Name unserer Postanschrift „Zechenstraße 10“ schon verrät: Wir befinden uns hier auf einem Gelände, das zum ehemaligen Ibbenbürener Bergwerk gehört. Seit Ende 2018 wird hier zwar keine Steinkohle mehr gefördert. Die bergmännische Welt ist in unserem Arbeitsumfeld aber an vielen Orten noch zu erahnen. Wir brauchen nur in Richtung Norden aus den Fenstern zu schauen – und schon fällt der Blick auf markante Bauwerke aus Bergbautagen.

Schwarzer Flur

Denn ein Teil unseres Teams arbeitet nicht nur an der Zechenstraße, sondern auch noch in Büros entlang des Schwarzen Flurs. Der lange Korridor mit der schmucken hohen Decke macht seinem Namen alle Ehre und kommt tiefschwarz glänzend daher. 1959 errichtet, wurde der Flur in dem ehemaligen RAG-Verwaltungsgebäude mit Steinzeugfliesen ausgelegt. Als die in die Jahre gekommen waren, musste ein glänzender schwarzer Belag daher. Es gibt aber auch andere Versionen zur Namensgebung. Schließlich war lange vor der Stadtwerke-Verwaltung einst die Betriebsführung für den Untertagebau auf dem Flur zu finden. Klar, dass entsprechend viele Bergleute mit schwarzen Füßen hier ein und aus gingen – und der Flur so seinem Namen gleich doppelt alle Ehre machte.

Markscheiderei und Netzplanung

Auch die Markscheiderei – sprich eine Art Planungsabteilung für die untertägigen Tätigkeiten – war schon einmal auf dem Schwarzen Flur beheimatet, später dann die Arbeitsvorbereitung, die Öffentlichkeitsarbeit und die Jugendvertretung der betrieblichen Mitbestimmung. Es ist übrigens nicht auszuschließen, dass demnächst Kollegen aus der Planungsabteilung unserer Netzgesellschaft SWTE Netz vom Schwarzen Flur aus unser Versorgungsnetz weiter entwickeln.

Ehemaliges Personalgebäude

Und auch im benachbarten ehemaligen RAG-Personalgebäude, wo inzwischen  Mitarbeiter der SWTE Netz ihre Büros gezogen haben, hat es bis zum Ende des Steinkohleabbaus in unserer Region vor Kumpeln nur so gewimmelt. Denn eine Personalabteilung, die in Spitzenzeiten für tausende von Bergwerksbeschäftigten zuständig war, hatte sicher enormen Publikumsverkehr. Einen schwarzen Flur haben die SWTE-Netz-Mitarbeiter dort übrigens auch. Denn die Flure in der Immobilie aus dem Baujahr 1959 wurden wie einst der Original-Schwarze-Flur mit einem schwarzen Belag aufgehübscht.

 

Büros in ehemaliger RAG-Hauptverwaltung

Auch in der ehemaligen RAG-Hauptverwaltung, in der ein Teil der Stadtwerke-Verwaltungsmitarbeiter vorübergehend untergebracht ist, erinnert noch vieles an die bergmännische Tradition. Und das nicht nur, weil ein Kumpel von einem überdimensionalen Portrait von den Wänden im Treppenhaus grüßt. Auch der riesige Plan des einstigen Kohle-Abbaugebietes macht deutlich, wer dort bisher Hausherr war.

Tor 4 trennt uns vom Bergbau

Eines aber trennt uns Stadtwerke-Mitarbeiter noch einige Monate lang von der bergmännischen Welt: das Tor 4. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Verwaltungsgebäuden der Stadtwerke gelegen, markiert es die Grenze zwischen Zivilgesellschaft und Bergbau. Hinter Tor 4 gilt nämlich bis zum Jahresende 2020 noch ganz offiziell das Bergrecht. Weshalb Außenstehenden der Zutritt nur in Ausnahmefällen und nur unter bergmännischer Aufsicht erlaubt ist. Jenseits von Tor 4 ist unter anderem die Grubenwehr beheimatet.

Und jenseits von Tor 4 muss auch irgendwo die bergmännische Werkzeugtasche schlummern. Da draußen in einem Lichtschacht, wo das Bergrecht gilt. Eines Tages aber, dann holen wir sie da raus, versprochen!

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Bildnachweis: @VeraKonermann-StadtwerkeTecklenburgerLand

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