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Gemeinde Lotte hat Hausaufgaben zur Wärmewende gemacht

Lotte legt Kommunalen Wärmeplan vor

Lotte, 11.06.2025. Beim Thema Kommunale Wärmeplanung gehört die Gemeinde Lotte zu den Vorbildern in Nordrhein-Westfalen. Denn lange vor Ablauf der gesetzlichen Frist im Juni 2028 hat die Gemeinde ihre Hausaufgaben erledigt und den Kommunalen Wärmeplan für Lotte vorgelegt. Dieser gibt den rund 14.700 Menschen in der Gemeinde Hinweise an die Hand, wie sich der Wandel hin zur klimafreundlichen Wärmeversorgung in Lotte entwickeln könnte und welche Variante zum Heizen sich in welchem Quartier anbietet. Eine Verpflichtung ergibt sich für die Bürgerinnen und Bürger daraus nicht. Vielmehr dient der Plan als Orientierungshilfe – etwa bei anstehenden Sanierungen oder dem Austausch der Heiztechnik. Unterstützung bei der umfangreichen Untersuchung bekam die Gemeinde Lotte von den Stadtwerken Tecklenburger Land und deren Partner BET.

Der Kommunale Wärmeplan soll den Bürgerinnen und Bürgern Anhaltspunkte bieten, wie sich die Wärmewende bei Ihnen vor Ort vollziehen könnte. Sprich: Wo könnte es in Zukunft eine leitungsgebundene Wärmeversorgung geben? Wo sind perspektivisch individuelle Lösungen zum Beispiel der Umstieg auf eine Wärmepumpe erforderlich? Und wie hoch ist das Einsparpotenzial beim Verbrauch von Heizenergie überhaupt? Im Zuge der Untersuchung haben sich die Stadtwerke Tecklenburger Land mit Unterstützung des Aachener Büros BET angeschaut, wie die aktuelle Wärmeversorgung in Lotte ist und welche Potenziale der Versorgung sich in den kommenden Jahrzehnten heben lassen könnten. Zudem schlägt die Studie einen Maßnahmenkatalog vor. „Mit Vorlage des Kommunalen Wärmeplanes gehört die Gemeinde Lotte zu den Vorreitern im Kreis Steinfurt“, sagt Mathias Walke, der das Projekt auf Seiten der Stadtwerke Tecklenburger Land geleitet hat. „Nun muss die Gemeinde in die konkrete Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen gehen.“

Wesentliche Ergebnisse der Studie

Das sind die wesentlichen Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung im Überblick: In Lotte benötigen 3.831 Gebäude jährlich 179 GWh Endenergie für die Wärmeversorgung. Das entspricht einem Treibhausgasausstoß in Höhe von 46.000 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr. Realistisch betrachtet lässt sich der Raumwärmebedarf in der Gemeinde bis zum Jahr 2045 um ein Viertel reduzieren. Eine leitungsgebundene Wärmeversorgung könnte in Lotte in drei Gebieten interessant sein. So sieht die Studie Potenzial in drei Bereichen in Alt-Lotte, Büren und Wersen. In den anderen Ortslagen reichen die sogenannten Wärmedichten für ein effektives und wirtschaftlich sinnvolles Wärmenetz nicht aus. Der Energieträger Gas wird im Zielszenario seine heute noch führende Rolle verlieren. Ab dem Zieljahr 2040, so die Studie, wird es nur noch für den Prozesswärmebedarf der großen Industrieverbraucher sowie für die Spitzenlasterzeugung von etwaigen Wärmenetzen zum Einsatz kommen. Die Studie geht davon aus, dass dabei vor allem grünes Methan eingesetzt wird. Wo keine Wärmenetze in Betracht kommen, sieht die Studie vor allem eine Entwicklung hin zu einer dezentralen Wärmeversorgung. Dabei, so die Prognose, dürften Wärmepumpen mit Luft als Wärmequelle das Mittel der Wahl sein.

Entwicklung der Netze

„Mit dem kommunalen Wärmeplan liegt nun eine fundierte Grundlage vor, die vielen Bürgerinnen und Bürgern Orientierung bietet – sowohl darüber, was vor Ort möglich ist, als auch darüber, wo individuelle Lösungen gefragt sind“, sagt Bürgermeister Philip Middelberg. Tobias Koch, Geschäftsführer der Stadtwerke Tecklenburger Land, freut sich, dass das lokale Stadtwerk bei der kommunalen Wärmeplanung unterstützen konnte. „Im Rahmen unserer Möglichkeiten möchten wir als regionales Stadtwerk an einer zukunftsfähigen Versorgung mitwirken“, sagt er. „Wir möchten unsere Infrastruktur und unsere Versorgungsleitungen frühzeitig so planen und entwickeln, wie sie in Zukunft in der Region benötigt werden.“

Sanierungsbedarf ist hoch

Der Sanierungsbedarf im Wohnbestand ist hoch. Allein die Immobilien, die älter als 40 Jahre sind, verbrauchen drei Viertel der Endenergie in der Gemeinde. Wie in anderen Kommunen auch erfolgt die Wärmeversorgung der Gebäude und die Bereitstellung von Prozesswärme nahezu ausschließlich mit fossilen Energieträgern. Mehr als 90 Prozent des Endenergieverbrauchs entfallen auf Gas und Heizöl sowie geringe Anteile von Kohle und Flüssiggas. Der vorgelegte kommunale Wärmeplan macht ein hohes Potenzial zum Energiesparen aus. So könnten knapp 55 Prozent der verbrauchten Heizenergie eingespart werden. Werden allerdings Förderprogramme und die Bereitschaft von Hauseigentümern zur Investition in Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt, liegt das Einsparpotential realistisch betrachtet bei 25 Prozent.

Ausreichend grüne Wärmequellen

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass in Lotte bei Nutzung von Abwärme und regenerativen Energiequellen ausreichend grüne Wärmequellen zur Verfügung stehen, um Lotte bis 2040 treibhausneutral mit Wärme zu versorgen. Um diese Ziele zu erreichen, sieht der Kommunale Wärmeplan einen Maßnahmenkatalog vor. Ein wesentliches Thema dürfte Überzeugungsarbeit sein. So werden Beratungsangebote zu Sanierung und Heizungstechnologien vorgeschlagen, um die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen. Zudem sollten die Erkenntnisse des Kommunalen Wärmeplans in die Bauleitplanung einfließen. Im Weiteren schlägt der Kommunale Wärmeplan tiefergehende Machbarkeitsstudien für Wärmenetze vor.

BU: Lottes Bürgermeister Philip Middelberg (r.) freut sich, dass der Kommunale Wärmeplan vorliegt. Erstellt wurde er unter Federführung der Stadtwerke Tecklenburger Land, hier vertreten durch Geschäftsführer Tobias Koch. Foto: Stadtwerke Tecklenburger Land / Vera Konermann