Wie ist unser Stromnetz aufgebaut?

Nina Beuvink
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Unser Alltag wäre ohne Strom undenkbar. Egal ob Kochen, Wäsche waschen, Netflix gucken, Licht anmachen – all das wäre ohne Stromversorgung nicht möglich. Damit Privathaushalte, Industrie, Gewerbe und alle weiteren Stromabnehmer zuverlässig mit Strom versorgt werden können, verläuft in Deutschland ein weit verzweigtes Stromnetz mit einer Länge von etwa 1.934.100 Kilometern. Dabei zählt das Stromnetz in Deutschland zu den zuverlässigsten Stromnetzen weltweit. Doch wie ist dieses Stromnetz aufgebaut? Hier erfährst du, wie unser Stromnetz aufgebaut ist, was der Unterschied zwischen Stromversorger und Netzbetreiber ist und welche Aufgaben die Bundesnetzagentur hat.

Welche Spannungsebenen gibt es im Stromnetz?

Das Stromnetz ist bei uns in verschiedene Spannungsebenen aufgeteilt. Insgesamt gibt es vier verschiedenen Spannungsebenen. Jede dieser Spannungsebenen dient dabei einem unterschiedlichen Zweck. Verbunden werden die einzelnen Spannungsebenen durch Transformatoren.

Höchstspannungsebene

Die Höchstspannungsebene arbeitet mit Spannungen von 380.000 bis 220.000 Volt und hat eine Länge von etwa 37.200 Kilometern. Auf hohen Spannungsebenen kann der Strom über weite Strecken ohne große Reibungsverluste übertragen werden. Daher dient das Höchstspannungsnetz dem Transport von Strom über weite Strecken. Das Höchstspannungsnetz wird auch als Übertragungsnetz bezeichnet, während die übrigen Spannungsebenen als Verteilernetze bezeichnet werden. Das Übertragungsnetz ist an das europäische Stromnetz angeschlossen, über das Strom importiert und exportiert werden kann. Großkraftwerke wie die Offshore-Windparks oder die Kohlekraftwerke speisen auf dieser Spannungsebene ihren Strom in das Netz ein. Innerhalb von Deutschland bildet die Höchstspannungsebene das überregionale Übertragungsnetz. So werden über dieses Netz regionale Stromversorger und Abnehmer aus der Großindustrie versorgt.

Hochspannungsebene

Im Hochspannungsnetz kommen Spannungen von 110.000 bis 60.000 Volt zum Einsatz. Seine Gesamtlänge beträgt etwa 95.200 Kilometer. Auf dieser Spannungsebene wird der Strom überregional verteilt. Lokale Stromversorger sowie Industrie- und Gewerbeunternehmen werden über dieses Netz mit Strom beliefert. Auch die Deutsche Bahn ist an das Hochspannungsnetz angeschlossen. Mittelgroße Erzeugungsanlagen, wie etwa Windparks, speisen auf dieser Spannungsebene ihren Strom in das Netz ein.

Mittelspannungsebene

Auf der Mittelspannungsebene werden Spannungen zwischen 60.000 bis 6.000 Volt erreicht. Dabei erfüllt das Mittelspannungsnetz eine ähnliche Funktion wie das Hochspannungsnetz. Es ist mit einer Länge von etwa 527.100 Kilometern aber deutlich größer. Das Mittelspannungsnetz dient ebenfalls dazu, den Strom regional zu verteilen. Auch kleinere und mittlere Industrieunternehmen werden über das Mittelspannungsnetz mit Strom versorgt. Gleiches gilt für kommunale Einrichtungen wie Krankenhäuser. Sie sind ebenfalls an das Mittelspannungsnetz angeschlossen.

Niederspannungsebene

Das Niederspannungsnetz ist die letzte Ebene des Stromnetzes. Es arbeitet mit Spannungen zwischen 400 und 230 Volt. Mit einer Länge von etwa 1.274.600 Kilometern ist es deutlich größer als die Netze der höheren Spannungsebenen. Über die Niederspannung werden kleinere Unternehmen wie Büros oder Praxen, Landwirtschaftsbetriebe und private Haushalte mit Strom versorgt. Dein Zuhause ist also an das Niederspannungsnetz angeschlossen. Übrigens: Im Zuge der Energiewende wird immer mehr Energie über das Niederspannungsnetz eingespeist, etwa über private Photovoltaik-Anlagen.

Welche Akteure gibt es im Stromnetz

Die Stromerzeuger

Stromerzeuger sind diejenigen, die Strom in das Netz einspeisen. Das sind neben den Betreibern der großen Kraftwerke auch viele mittelgroße Produzenten, wie etwa lokale oder regionale Stadtwerke. Aber auch immer mehr Privatpersonen werden zu Stromerzeugern, wenn sie zum Beispiel mit einer PV-Anlage auf dem Dach eigenen Strom erzeugen und diesen ins Netz einspeisen. Wenn auch du zum Stromerzeuger werden willst, dann kannst du das ganz einfach mit unserem Rundum-Sorglos-Paket PV und Speicher.

Die Stromversorger

Stromversorger werden auch Stromanbieter genannt. Sie kaufen den Strom ein und verkaufen diesen weiter an ihre Kunden. Der Stromanbieter ist für die Belieferung seiner Kunden mit Strom verantwortlich. Viele Verbrauchen in einem Netzgebiet werden durch den sogenannten Grundversorger mit Strom versorgt. Grundversorger ist immer der Lieferant, der in einem bestimmten Gebiet anteilig die meisten Kunden zählt. Wichtig: Egal, ob du Mieter bist oder Eigentümer: Du kannst für dich einen eigenen Stromliefervertrag mit einem Anbieter deiner Wahl abschließen. Unsere Stadtwerke-Gesellschaft Stadtwerke Tecklenburger Land Energie GmbH ist zum Beispiel auch ein Stromversorger.

Die Netzbetreiber

Die Netzbetreiber stellen den Transport des Stroms sicher. Sie sind für den Bau, den Ausbau, den Betrieb und die Instandhaltung der Stromnetze verantwortlich. In Deutschland gibt es vier Übertragungsnetzbetreiber (TenneT, 50Herz Transmission, Amprion und TransnetBW), welche für das Übertragungsnetz verantwortlich sind, und zahlreiche regionale Verteilnetzbetreiber. Im Gegensatz zum Stromversorger kannst du als Verbraucher den Netzbetreiber nicht wechseln. In unserem Versorgungsgebiet ist unsere Netzgesellschaft SWTE Netz der Netzbetreiber. Mehr Infos über das Stromnetz in unserer Region findest du auf der Webseite der SWTE Netz.

Die Verbraucher

Verbraucher sind alle, die den Strom aus dem Stromnetz nutzen. Sie werden auch Letztverbraucher genannt. Letztverbraucher sind die Kunden der Stromlieferanten und müssen für den Strom, den sie nutzen, Geld bezahlen. Die Mehrheit der Letzterbraucher sind private Haushalte. Aber auch Gewerbebetriebe oder Industrieunternehmen fallen in die Kategorie der Letztverbraucher.

Welche Rolle spielt die Bundesnetzagentur?

Die Bundesnetzagentur ist als Bundesbehörde für die Beaufsichtigung des Wettbewerbs in den deutschen Netzmärkten zuständig und damit auch unter anderem für den Stromnetzwerkmarkt. Dabei soll zum einen ein wirksamer und unverfälschter Wettbewerb sichergestellt werden, zum anderer soll der Betrieb von Energieversorgungsnetzen langfristig, leistungsfähig und zuverlässig gewährleistet werden. Gleichzeitig unterstützt die Bundesnetzagentur auch die Umsetzung der Energiewende, sie soll die Qualität der Stromversorgung in Deutschland sichern. Sie ist Ansprechpartnerin für Verbraucherfragen rund um das Thema Energie.

Zukünftige Herausforderungen für das Stromnetz

Die Energiewende stellt das Stromnetz in Deutschland vor neue Herausforderungen. In der Vergangenheit wurde der Strom an einigen zentralen Punkten in großen Kraftwerken gewonnen und von dort in das Stromnetz eingespeist. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien entwickelt sich die Stromerzeugung in Deutschland weg von einigen großen zentralen Erzeugungsanlagen hin zu vielen kleinen dezentralen Erzeugungsanlagen wie etwa einzelne PV-Anlagen oder Windkraftanlagen.

Damit ein solches dezentralisiertes Stromnetz funktionieren kann, muss die Stromlast gut gesteuert werden. Eine Möglichkeit sind intelligente Stromnetze, auch Smart Grid genannt. In unserem Blogbeitrag erfährst du, was ein Smart Grid ist und wie es funktioniert. Eine wichtige Rolle für ein intelligentes Stromnetz spielen sogenannte Smart Meter, also intelligente Stromzähler. Was genau ein Smart Meter ist und wie es sich von anderen Stromzählern unterscheidet, erfährst du ebenfalls in unserem Blog.

 

 

 

 

 

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Nina Beuvink


Studentische Mitarbeiterin Unternehmenskommunikation
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